Einen Hund und eine Katze kann ich auch zeichnen!

Nicht zuletzt durch ein sehr berührendes und informatives Interview für unsere Diplomarbeit war es uns wichtig, unseren Mitschülerinnen und Mitschülern das Thema „Asperger-Syndrom“ näherzubringen. Diese Beeinträchtigung ist einerseits wenig bekannt und wird andererseits oftmals erst relativ spät diagnostiziert. Auf Basis des Interviews verfassten wir die nachdenklich stimmende Geschichte eines jungen Mannes namens Felix, der die Diagnose Asperger-Syndrom erst mit 18 Jahren bekam.

Einen Hund und eine Katze kann ich auch zeichnen!

Heute ist Felix 23 Jahre alt. Er lebt mit seiner Freundin in einer gemeinsamen Wohnung und hat zwei Katzen. Dort hinzukommen, wo er heute ist, war ein weiter Weg mit vielen Hürden und Hindernissen, die Felix und seine Familie überwinden mussten.

Schon als Kleinkind wachte Felix oft in der Nacht aus unerklärlichen Gründen auf. Da keine Besserung auftrat, suchte seine Mutter Anna mit ihm einen Kinderarzt auf. Dieser verschrieb ihm Baldriantropfen, welche Anna aber aufgrund des Alkoholgehaltes ablehnte. Der Kinderarzt überwies Felix schließlich zu einer auf Autismus spezialisierten Ärztin ins Kinderkrankenhaus. Diese Ärztin meinte, Felix sei sehr aktiv und stellte die Diagnose „ADHS“. Anna war davon überzeugt, dass ihr Kind einfach nur sehr lebhaft war und gab sich nicht mit dieser Diagnose zufrieden. Sie besuchten viele Spielplätze, wo Felix seinen Bewegungsdrang ausleben konnte. Mit drei Jahren kam Felix in einen Kindergarten. Dort erhärtete sich der Verdacht, dass er vermutlich nicht an ADHS leidet. Laut seiner Kindergartenpädagogin hatte Felix auch Freude daran, in Ruhe zu basteln. Zusätzlich hatte er sprachliche Probleme und bekam aufgrund dessen eine Logopädin zur Seite gestellt.

In der Volksschule fiel es Felix besonders schwer ruhig zu sitzen. Deshalb musste Anna wegen seines Verhaltens des Öfteren in die Schule kommen. Die Pädagoginnen und Pädagogen rieten ihr, Felix auf eine Sonderschule zu schicken. Das wäre für Anna aber der letzte Ausweg gewesen. Ihr wurde schließlich eine Montessori-Volksschule empfohlen, welche Felix dann besuchte. Das Motto der Schule war: „Leben, Lernen, Wachsen‘ - dadurch bin ich auch gewachsen“, so Anna.

Aufgrund der guten Erfahrungen in der Montessori-Volksschule besuchte Felix in weiterer Folge eine Montessori-Hauptschule. Leider nahm er dort die Rolle des Außenseiters ein, da er gerne für sich war. Die Leidenschaft von Felix war das Zeichnen. Eines Tages wurde Anna in die Schule beordert. Die aufgebrachte Direktorin legte ihr Zeichnungen von Felix vor. Felix verarbeitete Geschehnisse in seinen Zeichnungen, die die Direktorin sehr schockierten. Auf seinen Zeichnungen befanden sich Flugzeuge und Bomben, welche er Tage zuvor in den Nachrichten gesehen hatte. Die Direktorin schloss aus den Zeichnungen, dass Felix aggressiv sei. Aufgrund dessen wurde er ins LSF überwiesen, wo er sich zahlreichen Tests und Befragungen unterziehen musste. Die Psychologin wollte von Felix wissen, warum er so etwas zeichnete. Seine Antwort lautete: „Mir war fad!“ Die Ärztin schrieb Felix ein Gutachten zu seinen Gunsten, in dem ein aggressives Verhalten verneint wurde. Als Anna und Felix wieder zu Hause angelangt waren, zeichnete Felix einen Hund und eine Katze mit der Erklärung, dass er auch so etwas „Normales“ zeichnen könne. Von diesem Tag an zeichnete Felix nie wieder. Anna würde diesen Tag am Liebsten aus deren Leben streichen, da er noch heute eine große Belastung für Mutter und Sohn darstellt. Letzten Endes wurde bei Felix das Asperger-Syndrom erst im Alter von 18 Jahren diagnostiziert.

Nach der Schule war es Felix‘ Wunsch eine Lehre im EDV-Bereich zu machen, da er sich sehr für Computer interessierte. Doch er fand leider keine freie Lehrstelle. Die Alternative war eine Lehre zum Bürokaufmann/Verwaltungsassistent, jedoch war er in dieser Ausbildung nicht glücklich. Aus Frust fing er an, sehr viel Süßes zu essen und nahm 20 Kilogramm zu. Wegen seines Übergewichts wurde er im Internat von seinen Zimmerkollegen gemobbt. Felix bekam eine Berufsbegleitung von Alpha Nova zur Seite gestellt. Trotz aller Schwierigkeiten schloss Felix seine Lehre ab und bestand die Lehrabschlussprüfung. Dies war ein großer Erfolg für ihn. Nach Beendigung der Lehre wurde er von der Firma nicht übernommen und war somit arbeitsuchend. Felix besuchte Kurse beim AMS, wurde aber als „unvermittelbar“ eingestuft. Durch diese Einstufung fiel er in ein tiefes Loch und ging nicht mehr außer Haus. Er verweigerte auch seine Medikamente, da er Angst hatte, dass diese ihn verändern könnten. Eines Tages beschloss er sein Leben zu ändern. Er begann sich gesund zu ernähren und ging ins Fitnessstudio. Felix veränderte sich enorm und fühlte sich in seinem Körper wieder wohl.

Schließlich begann er in der Organisation „Hilfswerk“ zu arbeiten. Ungefähr ein Jahr machte ihm dieser Job viel Freude und alles funktionierte optimal. Felix wagte einen großen Schritt und zog in eine eigene Wohnung. Dann lernte er seine heutige Freundin kennen. Nach einiger Zeit war er jedoch mit seiner beruflichen Situation nicht mehr glücklich und auf der Suche nach etwas Neuem.

Ines Hladen, Jana Wonisch, Jeannine Joham, 5A-Klasse