Erster Schreibwettbewerb der HLW und FS Sozialmanagement

Am 20. 05. 2019 fand in der Aula die Preisverleihung des ersten Schreibwettbewerbs statt.

Neun Schülerinnen aus verschiedenen Klassen verfassten zu den drei Themenstellungen "Verwandlung", "Verrückt" und "Grenzen" eigene, ganz unterschiedliche Werke, um ihr Können im Schreiben unter Beweis zu stellen. Um eine Siegerin zu küren, gab es je eine Lehrer- und eine Schülerjury, deren Mitglieder die anonym eingereichten Texte lasen und bewerteten. Die Reihung blieb bis zur Preisvergabe geheim.

Damit auch das Publikum in den Genuss kam, die sehr kreativen und unterschiedlichen Werke zu hören, wurden die drei von der Jury ausgewählten Gewinnertexte von freiwilligen Lesern und Leserinnen vorgelesen.

 

Hier die Ergebnisse der Lehrerjury:

1.    Elena Strohmeyer mit „An vorderster Front“

2.    Michelle Leger mit „Verrückt nach allen Farben“

3.    Veronika Jungmeier mit „Der letzte Schritt“

 

Die Ergebnisse der Schülerjury sahen wie folgt aus:

1.    Denise Strobl mit „Seine Grenze“

2.    Michelle Leger mit „Verrückt nach allen Farben“

3.    Elena Strohmeyer mit „An vorderster Front“

 

Ein großes Dankeschön geht an alle, die sich an dieser Veranstaltung beteiligt haben: an die Moderatorinnen, Vorleserer und Vorleserinnen, die Organisatorinnen, die Jurymitglieder und natürlich an die Verfasserinnen der Texte.

Ganz besonders möchten wir uns auch bei den Sponsoren für die Bereitstellung der Preise bedanken: Buchhandlung Morawa im Citypark, Buchhandlung Plautz, Tyrolia Verlag.

Wir hoffen natürlich, dass es nächstes Jahr wieder einen Schreibwettbewerb geben wird und wir wieder viele großartige Texte lesen und hören dürfen!

Alexander Prettenhofer, 1FS

 

 

Erster Schreibwettbewerb der Schule

Für alle, die die eingereichten Texte des ersten Schreibwettbewerbs der FS für Sozialberufe Graz und HLW Sozialmanagement Graz nachlesen wollen, hier die Originale. Um die Einzigartigkeit zu bewahren, wurden keine Änderungen/Korrekturen vorgenommen. Auf jeden Fall viel Spaß beim (Nach-)Lesen!

Michaela Bihler

  • © HLW Sozialmanagement Graz

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Seine Grenze

Kurz vor Mittag. Endlich will er sich dazu überwinden aus dem Bett aufzustehen und sein Zimmer zu verlassen.

Doch er kann nicht. Vor ihm befindet sich eine unsichtbare Grenze. Dicke Mauern, die ihn davon abhalten, ein halbwegs normales Leben zu führen. Und so bleibt er liegen. Alles ist wie immer.

Die Frau, die ihm gegenübersitzt, versucht Lücken in seinen Mauern zu finden. Die Mauern, die sich um ihn herum aufgebaut haben. Doch es gelingt ihr nicht. Seine Mauern sind zu dick. Es kommt ihr vor, als würde er den Mauern noch helfen, sie stützen.

Seine Eltern haben Angst. Angst um ihr Kind. Angst, dass die Mauern ihn eines Tages umschlingen könnten und ihn von der restlichen Welt trennen würden. Doch auch  sie sind hilflos. Sie sind zu schwach um seine starken Mauern einzureißen.

Doch an manchen Tagen, da sind seine Mauern nicht so dick. Und es befinden sich einzelne Lücken in ihnen. An diesen Tagen geht er zur Arbeit. Er verdient zwar nicht wirklich Geld dabei, doch er nennt es trotzdem so. Und er liebt seine Arbeit.

Immer wenn er dort ist, fühlt er sich nicht so einsam. Und die Grenzen um ihn herum sind nicht mehr ganz so hoch. So können die vereinsamten Hunde über seine Mauern springen. Sie können ihn für kurze Zeit  seine Gedanken vergessen lassen.

Doch heute, heute ist etwas anders. Jemand Neues befindet sich am Gelände des Tierheims. Und als er sie das erste Mal sieht, bemerkt er sofort, dass sie ein offener und freier Mensch ist. Grenzenlos.

Sie versucht sich ihm zu nähern, ihn kennenzulernen. Relativ schnell merkt sie, dass er von hohen und kräftigen Mauern umgeben ist. Das hindert sie nicht daran. Sie versucht es weiter. Ziegel für Ziegel baut sie seine Mauern ab. Manche Ziegel dauern jedoch länger als andere. Doch sie hat Zeit.

Beide merken nach nur kurzer Zeit ihres Zusammenseins, dass die Mauern noch da sind. Sie werden immer da sein und ihn abhalten. Abhalten, auch nur aus dem Bett aufzustehen. Abhalten, mit anderen Leuten zu sprechen. Abhalten, ihr seine Liebe zu zeigen.

Schluchzend und verzweifelt kniet er am Boden. Sie hat ihn allein gelassen. Sie braucht Abstand. Er hasst sich und seine Mauern. Kläglich versucht er sie einzureißen. Er schafft es nicht. Nicht alleine.

Er, seine Eltern und auch sie. Alle gemeinsam bauen die Mauern Stück für Stück ab. Auch wenn sie sich immer wieder von neu aufbauen.

Seine Grenze – die Depression

Denise Strobl, 2B

An vorderster Front

Schlacht für Schlacht. Sieg für Sieg. Niederlage für Niederlage. Seit hunderten von Jahren geht es schon so. Eine Schlacht folgt der Nächsten. Ist die erste vorbei und ist jeder wieder auf Stellung, kommt die nächste Schlacht. Menschen, Tiere und auch Gebäude werden fallen und eine Lücke in unserer Armee hinterlassen. Niemals wird Friede einkehren. Niemals werden wir zur Ruhe kommen. Immer wieder werden wir siegen und besiegt werden. Gegner schlagen und geschlagen werden. Gewinnen und verlieren. Ein ewiger Kreislauf. Meine einzige Aufgabe. Für immer.

Beschütze den König! Besiege den Gegner! Das ist unser Hauptziel. Je nach General gibt es verschiedenste Nebenziele. Versucht niemanden zu verlieren! Gewinnt so schnell wie möglich! Aber im Endeffekt wird es niemals eine Schlacht ohne Verluste geben. Es wird immer jemanden geben der in diesem Krieg verliert. Es wird immer wieder von vorne beginnen. Doch trotzdem wird es niemals enden. Weder für mich noch für meine Kameraden, denn wir wurden einzig und allein für den Krieg geschaffen.

Ich sehe mich selbst als wichtiges Mitglied in unserer Armee. Es gibt viele, die mich und meine Gleichgesinnten als entbehrlich, ja sogar unnötig empfinden. Sie sehen nur unsere beschränkte Reichweite. Auf unsere stärkste Waffe vergessen viele. Das ist warum uns nur die Besten der Besten richtig einsetzen. Die Generäle, die wissen was sie tun und nicht nur einfach so zum Spaß gegeneinander antreten.

Aber auch mit unserer stärksten Waffe werden wir doch leichter geopfert als eines der Pferde. Kaum jemand beklagt sich, wenn wieder einer von uns Bauern das Schlachtfeld verlassen muss, doch sollten wir ein Pferd verlieren, dann hat der Gegner einen Vorteil. Dann müssen wir uns eben auch ein Pferd holen. Ausgeglichenheit muss angestrebt werden, besser noch, eine Übermacht, das ist der erste Schritt zum Sieg! Der erste Schritt um den Gegner in die Knie zu zwingen.

Der Gegner führt seinen nächsten Zug aus. Drohend baut sich die feindliche Dame plötzlich vor mir auf. Sie blockiert meinen Weg, der Feind hat uns durchschaut, doch kann mich die Dame nicht besiegen, ohne selbst das Schlachtfeld verlassen zu müssen. Einer unserer Türme fungiert in unserem letzten Plan als meine Rückendeckung. Er ist meine Lebensversicherung!

Doch ausnahmsweise ist es nicht der Turm, der dieses Spiel zu unseren Gunsten wenden kann. Nein. Dieses Mal liegt alles bei mir. Beim letzten Bauern unseres Heeres. Ich muss es bis zum Ende des Schlachtfeldes schaffen. Ich kann uns vor dem Untergang bewahren! Ich bin es, der das Blatt noch einmal wenden kann! Doch schaffe ich das nicht alleine.

Ich werfe einen Blick über das Schlachtfeld. Wir sind in der Unterzahl, unsere Dame wurde schon vor langer Zeit geschlagen, doch noch geben wir nicht auf. Der Gegner ist uns nur gering überlegen, er hatte Glück. In einem unachtsamen Moment konnte er unseren König stark unter Druck setzen. Wir mussten unsere Dame opfern. Es gab keine andere Möglichkeit!

Nur noch ein Feld trennt mich davor, das Gleichgewicht wiederherzustellen, ein Feld und eine Dame. Plötzlich bewegt sich unser Pferd in meine Nähe und bleibt zwei Felder neben mir stehen. Es setzt den Gegner stark unter Druck. Wieder einmal bin es nicht ich, der die Dame bezwingt. Wieder ist es das Pferd und ich weiß, dass sich auch dieses Mal niemand an mich erinnern wird. Ich bin ja nur ein kleiner Bauer.

Doch unser Zug funktioniert. Die gegnerische Dame verschwindet aus meinem Blickfeld. Ich weiß, dass jetzt mein Moment gekommen ist.  Es ist nicht das erste Mal, dass ich diesen Schritt wage und doch kommt es nicht allzu oft vor. Schließlich komme ich ja normalerweise nicht weit, vor allem alleine wäre ich verloren. Trotzdem sind wir Bauern die einzigen, die diesen Schritt wagen können. Dadurch wird unsere Einschränkung im normalen Spielverlauf wieder wettgemacht. Es der einzige Grund uns am Leben zu erhalten.

Mutig wage ich mich noch etwas weiter nach vorne und finde mich am Ende des Schlachtfeldes wieder. Dies ist einer der wenigen Momente, in denen ich die Schlacht verlassen darf, ohne geschlagen zu werden. Unsere Dame betritt das Feld an meiner Stelle und von nun an bin ich nur noch Zuschauer.

Vielleicht bin es nicht ich, der die Schlacht letzten Endes für sich entscheidet. Vielleicht sieht es so aus, als wäre ich wieder nur Mittel zum Zweck. Wahrscheinlich wird sich niemand an diesen einen Bauern erinnern, der es über das ganze Schlachtfeld geschafft hat, hinter die gegnerischen Linien. Der Bauer, der direkt gegenüber der Dame gestanden ist. Denn ganz ehrlich, so etwas gibt es dann doch des Öfteren. Nachdem die Schlacht vorbei ist, wird jeder dem General gratulieren. Den taktisch klugen Zug unseres Pferdes bewundern und den Ausgang der Schlacht entweder feiern oder ihn betrauern.

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand an meinen Teil erinnern wird, dass wir Bauern endlich mehr Wertschätzung erlangen, ist sehr gering. Letzen Endes sind es nicht wir, die den König bezwingen, dafür sind unsere Möglichkeiten zu beschränkt. Es wird immer jemand anderes den finalen Zug ausführen, jemand, dessen Grenzen weiter gesteckt sind. Doch im Inneren weiß ich, dass ich trotz aller Einschränkungen einen sehr wichtigen Teil zu diesem Sieg beigetragen habe.

In diesem Moment setzt unsere Dame den gegnerischen König Schachmatt und ich weiß, dass sich niemand an meine weite Reise erinnern wird. Sobald wir wieder auf unseren Plätzen stehen, werden wir kleinen Bauern wieder vergessen sein!

Elena Strohmayer, 4A

 

Der letzte Schritt

Stimmengewirr. Stühle werden gerückt. Dann Stille. Jetzt höre ich nur mehr mein Herz schlagen. Laut und schnell. Mein Atem geht unregelmäßig. Ich spüre einen dicken Kloß in meinem Hals. Ich versuche ihn runterzuschlucken. Es funktioniert nicht. Langsam werde ich panisch. Tränen steigen mir in die Augen. Ich blinzle sie weg. Ich muss mich beruhigen. Ich schaffe das. Von draußen kann ich eine Stimme vernehmen. Zwar höre ich, was sie sagt, doch der Sinn der Worte dringt nicht bis zu mir durch. Dann höre ich meinen Namen. Schwindel überkommt mich und ich muss mich an der Wand neben mir abstützen. Angestrengt versuche ich die schwarzen Punkte, die vor meinen Augen flimmern, zu ignorieren. Ich habe mich wochenlang auf diesen Moment vorbereitet. Doch jetzt fühlt sich mein Kopf ganz leer an. Langsam mache ich einen Schritt nach vorne. Und noch einen. Und noch einen. Dann stehe ich auf der Bühne. Meine Augen brauchen einen Moment, bis sie sich an das grelle Licht der Scheinwerfer gewöhnt haben. Schemenhaft kann ich Menschen erkennen. Viele Menschen. Und sie alle schauen mich erwartungsvoll an. Mit aller Kraft versuche ich die Tränen zurückhalten, die drohen, jeden Moment aus meinen Augen zu schießen. Meine Beine schlottern unkontrolliert. Ich gehe die letzten Schritte bis zu der kleinen Markierung am Boden. Meine zitternden Hände umfassen das Mikrofon. Noch einmal hole ich tief Luft. Und beginne zu singen.

Veronika Jungmeier, 4A