Angelina Helbl, 3A

Gewinnerin des Ortweinpreises für Literatur 2025

Wir sind sehr stolz darauf, dass Angelina Helbl, Schülerin der 3A, den Ortweinpreis für Literatur gewonnen hat. Mehr als 600 Schüler*innen aus 30 steirischen Schulen haben ihre Beiträge zum Thema „Gläserne Welt“ eingereicht, die von einer hochkarätigen Jury bewertet wurden. Angelinas Text trägt den Titel „Die unsichtbare Kontrolle”. 
 
So lautet die Jurybegründung:
Der diesjährige Siegertext erzählt davon, was passiert, was passieren kann, wenn man sein Leben ins Digitale verlagert, wenn man sein Befinden davon abhängig macht, wie oft man gesehen, geteilt, geliked wird. „Die unsichtbare Kontrolle“ überzeugt durch ein hohes Maß an Reflexion, präzise Sprache und beeindruckend genaue Darstellungen einer aus den Fugen geratenen Existenz. Der innere Druck, entstanden aus dem permanenten Vergleich, dem Abgleich mit dem Leben Anderer, der die Erzählstimme vor sich hertreibt, ist auch für die Lesenden deutlich spürbar.
Hier wird nicht nur das Eigene in Frage gestellt und subjektives Erleben beschrieben, sondern der Befund einer Welt erhoben, die sich dem Äußeren, dem An-Schein verschrieben hat. Der am Ende präsentierte Lösungsansatz darf als ein erster Schritt gewertet werden, als ein Versuch des Aufbruchs, der durchaus für einen großen Teil der Gesellschaft eine Möglichkeit des Rückgewinns der Kontrolle über das eigene Leben sein könnte.
 
Der erste Platz ist mit EUR 500 dotiert und wurde Angelina am 25. November 2025 in feierlichem Rahmen verliehen.
Heidi Grabner
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass mich alle sehen und trotzdem keiner wirklich
hinsieht."

Es ist 02:15 Uhr und das blaue Licht meines Handys macht mein Gesicht zu einer
Geistermaske. Ich liege im Bett, scrolle durch Storys von Menschen, die gerade
schlafen sollten. Alle lachen. Alle reisen. Alle leben. Nur ich liege hier, mit meinem
Herzschlag im Takt der Benachrichtigungen.

"Du bist online", steht da.

Ich weiß.

Ich bin immer online.

Aber irgendwie nie da.

Früher war mein Handy einfach nur ein Gerät. Jetzt ist es mein zweites Ich. Eins, das
nie müde ist, nie traurig aussieht und immer weiß, was es sagen soll. Manchmal habe
ich das Gefühl, ich rede mehr mit meinem Profil als mit echten Menschen. Ich poste,
ich antworte, ich existiere.

Mein Daumen bewegt sich wie automatisch, als wär das Wischen längst kein Wollen
mehr, sondern ein Reflex. Ein bisschen wie atmen, nur flacher. Jede Bewegung zeigt
mir, was ich nicht habe oder was ich sein sollte. Perfektes Licht. perfekte Haut, perfekte
Welt. So klar, so gläsern, dass ich mich selbst darin verliere.

Gestern habe ich ein Foto gelöscht. Nicht, weil es schlecht war. Sondern weil es echt
war. Kein Filter, kein Winkel, kein Versuch, besser zu wirken, als ich bin. Ich hab's mir
angeschaut und gedacht: Das bin ich. Und das ist zu viel. Zu ehrlich für eine Welt, die
alles sehen will, aber nichts wirklich erträgt.

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn das Glas einfach zerspringt. Wenn
der Bildschirm Risse bekommt und die ganze glatte Welt einmal kurz echt aussieht.
Nicht perfekt, nicht poliert, einfach nur menschlich. Vielleicht würde ich dann wieder
atmen können.
 
Letzte Nacht habe ich das Handy auf Flugmodus gelassen. Erstmals seit... keine Ahnung,
Jahren vielleicht. Die Stille war laut. Ich habe mein Fenster geöffnet und den
Regen gehört. Kein Algorithmus, kein Echo. Nur ich. Und plötzlich war da dieses
Gefühl, das ich fast vergessen hatte. Freiheit